Emden - Der Sachverhalt hat sich nach der (damaligen) Recherche des heutigen Betreibers von RechercheMitWirkung wie folgt dargestellt. Eine steckbriefartige Kurzzusammenfassung:
Das Problem
Ein sechsjähriges, geistig und körperlich behindertes Mädchen aus Emden sollte im Kieler Lubinus Clinicum an beiden Achillessehnen operiert werden – um zu verhindern, dass die Füße später amputiert werden müssen. Eine gute Woche zuvor informierte die Klinik, dass sie vor der Aufnahme am Montag, 26. April 2021, ein negatives Corona-Ergebnis von Kind und Mutter brauche: einen PCR-Test, nicht älter als 48 Stunden.
Es bedurfte also eines Arztes und eines Labors, die am Wochenende testen. Die Hausarztpraxis verlangte dafür 400 Euro. Soviel Geld hatte die Mutter jedoch nicht. Sie lebte von Hartz IV.
Vergebliche Lösungsversuche
Die Corona-Hotline einer örtlichen Verwaltung verwies die Mutter an ihren Hausarzt. Dessen Sprechstundenhilfe erklärte, die Tests müssten selbst bezahlt werden.
Bei der AOK erfuhr die Mutter, der Hausarzt könne die Tests über die Versichertenkarte abrechnen. Die Praxis wollte das jedoch nur nach einer schriftlichen Kostenübernahme-Bestätigung tun. Eine solche hielt die AOK allerdings nicht für erforderlich. Ein AOK-Mitarbeiter kündigte an, er werde sich nochmal bei der Mutter melden – das tat er aber nicht.
Auch der Versuch, die Tests bei der Kinderärztin machen zu lassen, scheiterte. Nach zwei Tagen des Telefoniers wackelte der OP-Termin immer noch wegen der fehlenden Möglichkeit zu Corona-Tests.
Recherche mit Wirkung
Am Mittwochvormittag wandte sich die Frau in ihrer Not an einen Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Der gab ihre Telefonnummer an den heutigen Betreiber von RechercheMitWirkung weiter, der den Fall sodann für die Ostfriesen-Zeitung recherchierte.
Es folgten mehrere Presseanfragen – bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der AOK, der Klinik und bei Behörden: Wer trägt die Kosten der vorgeschriebenen PCR-Tests? Wer führt sie am Wochenende durch? Und warum scheitert die Kostenübernahme an einer schriftlichen Bestätigung?
Erst diese Presseanfragen brachten Bewegung in die Angelegenheit. Noch am selben Tag meldete sich eine AOK-Vertreterin telefonisch bei der Mutter. Am Donnerstagmorgen teilte die Krankenkasse mit: „Der Fall hat sich aufgeklärt.“ Die AOK sicherte eine Kostenübernahme zu: „Die Versicherte wird am Montag in Kiel aufgenommen und das Krankenhaus wird einen entsprechenden Test vornehmen.“
Die Operation fand am folgenden Dienstag statt. „Emily hat die Operation sehr gut überstanden“, berichtete anschließend ihre Mutter.
Die Berichterstattung
Diese Recherche mit Wirkung wurde am 21. April 2021 in der Ostfriesen-Zeitung unter der Überschrift „Ostfriesland: Scheitert OP eines behinderten Kindes an 400 Euro?“ veröffentlicht – die Wirkung am 22. April 2021 berichet, unter der Überschrift: „Corona-Tests gesichert – Emder Mädchen kann operiert werden“. Und im Nachgang folgte am 30. April 2021 ein weitere Bericht: „Geld für Corona-Tests: Hätte das einer Emder Familie genützt?“
https://www.oz-online.de/artikel/982551/Corona-Tests-gesichert-Emder-Maedchen-kann-operiert-werden