EWE storniert nach Recherche alle Verträge für ein längst verkauftes Haus

Der 88-jährige Helmut Friedrich aus Emden erhielt rund eineinhalb Jahre lang Rechnungen, Vertragsbestätigungen und Mahnungen für ein Anwesen in der Krummhörn, das er verkauft hatte. Seine handschriftlichen Widersprüche und Nachweise beantwortete die EWE nicht, stattdessen drohte sie ihm mit einer Schufa-Mitteilung. Es folgte eine Recherche mit Wirkung.
7. August 2022, 23:59 Uhr

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RechercheMitWirkung – früher in der Ostfriesen-Zeitung und anderswo, jetzt auf einem eigenständigen Internetportal, das perspektivisch zu einer Leser-Journalisten-Genossenschaft ausgebaut werden könnte. Foto: Recherche-Mit-Wirkung.de
RechercheMitWirkung – früher in der Ostfriesen-Zeitung und anderswo, jetzt auf einem eigenständigen Internetportal, das perspektivisch zu einer Leser-Journalisten-Genossenschaft ausgebaut werden könnte. Foto: Recherche-Mit-Wirkung.de

Emden - Der Sachverhalt hat sich nach der (damaligen) Recherche des heutigen Betreibers von RechercheMitWirkung wie folgt dargestellt. Eine steckbriefartige Kurzzusammenfassung:

Das Problem

Helmut Friedrich hatte sein Anwesen rund eineinhalb Jahre zuvor verkauft. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Käufer kam es offenbar zu keiner ordnungsgemäßen Übergabe mit Zählerstandsaufnahme. 

Friedrich meldete der EWE seinen Auszug. Danach folgten nach seiner Schilderung Rechnungen, die in die Tausende gingen. Am 23. März 2022 erhielt er eine „Ankündigung des gerichtlichen Forderungseinzugs“.

Vergebliche Lösungsversuche

Über mehr als ein Jahr hinweg widersprach Friedrich handschriftlich per Fax. 63 Seiten Korrespondenz übermittelte er später der Redaktion. Er schickte der EWE Schriftstück um Schriftstück als Beweis dafür, dass ihm das Objekt nicht mehr gehörte.

Im Oktober 2021 wandte er sich per Einschreiben an die EWE-Geschäftsführung. Aber: „Ich habe nie Antwort bekommen – nur Mahnungen.“

Recherche mit Wirkung

Daraufhin meldete sich der 88-Jährige beim heutigen Betreiber von RechercheMitWirkung, der den Fall damals für die Ostfriesen-Zeitung recherchierte. Nach Presseanfrage und Berichterstattung stoppte die EWE alle Mahnverfahren.

Mit Datum vom 19. Juli 2022 teilte eine EWE-Mitarbeiterin dem Betroffenen mit: „Die Fachabteilung hat mich informiert, dass die Verträge, die nach dem 26.11.2020 auf Sie für die Lieferstelle […] in Krummhörn eingerichtet waren, nun alle storniert sind.“

Nach rund eineinhalb Jahren mit Rechnungen und Mahnungen für ein verkauftes Haus hat die EWE sämtliche Verträge storniert, die sie nach dem 26. November 2020 auf Friedrich eingerichtet hatte.

Die Berichterstattung

Diese Recherche mit Wirkung wurde am 5. Mai 2022 in der Ostfriesen-Zeitung unter der Überschrift „88-Jähriger hätte ‚sein EWE-Team‘ am liebsten zum Teufel gejagt“ veröffentlicht.

https://www.oz-online.de/artikel/1231122/88-Jaehriger-haette-sein-EWE-Team-am-liebsten-zum-Teufel-gejagt

Über die Stornierung der Verträge folgte ein Bericht in der Ostfriesen-Zeitung am 7. August 2022 unter der Überschrift „Hat die EWE immer noch Probleme mit Internet-Portal und Hotline?“.

https://www.oz-online.de/artikel/1277071/Hat-die-EWE-immer-noch-Probleme-mit-Internet-Portal-und-Hotline

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